Multi-Level-Marketing und das Problem mit der Kompetenz im Gesundheitsbereich

 Multi-Level-Marketing

Multi-Level-Marketing, oder auch Network-Marketing, ist eine Vertriebsstrategie, die im Kern darauf abzielt, dass Verkäufer neue Verkäufer anwerben. Natürlich steht hier der Verkauf der Produkte im Vordergrund, sonst wäre es ja ein Schneeballsystem, was ja gesetzlich verboten ist. Dadurch, dass aber von Verkäufern neue Verkäufer angeworben werden, kann die produkterzeugende Firma leicht und günstig expandieren.

Multi-Level-Marketing
Multi-Level-Marketing

Die Verkäufer der oberen Ebene profitieren von den Verkaufszahlen der angeworbenen Verkäufer mit. Klingt also super motivierend, um neue Verkäufer zu finden, oder?

Bei Firmen, die Küchenutensilien oder Kerzen verkaufen, wird auch keinem geschadet (meiner Meinung nach). Wenn es jedoch um Nahrungsergänzungsmittel geht, sehe ich es etwas kritischer.

Leichter Einstieg – fehlende Kompetenz

Da praktisch jeder Verkäufer werden kann, ist es auch nicht verwunderlich, wenn manche, ich will hier nicht alle in einen Topf werfen, fehlendes Fachwissen aufweisen.

Das Wort „Verkäufer“ sollte hier allerdings nicht zu sehr im klassischen Sinne betrachtet werden. Wie schon gesagt, ist die Hürde, Verkäufer in Multi-Level-Marketing Systemen zu werden, relativ gering. Man kann das neben der eigentlichen Tätigkeit, als beispielsweise Büroangestellter, am Abend oder nach der Arbeit machen.

Da es sich hier in erster Linie um Verkäufer handelt, werden diese Personen zwar grundlegend informiert, aber hauptsächlich findet „Verkaufstraining“ statt. (Bei Küchenutensilien und Ähnlichem ist das wahrscheinlich auch ausreichend).

Auf Facebook bin ich auf einen sympathischen Sport-Coach aufmerksam geworden, der zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Eigentlich auch nichts verwerfliches, würde er nicht aktiv ein Detox-Produkt bewerben.

Hier gibt es für mich zwei Erklärungen:

  1. Der Coach ist überzeugt, dass das Produkt wirkt, auch wenn die Ergebnisse nicht messbar sind. Zielgruppe könnte hierbei ein Personenkreis darstellen, der die Nase voll hat von der „Schulmedizin“.
  2. Der Coach verkauft Produkte, ohne diese zu Hinterfragen.Tut er das bei einem Produkt, liegt für mich die Annahme nahe, dass er dies auch bei weiteren Produkten oder Dienstleistungen macht.

Verkauf von Produkten mit umstrittener Wirkung

Beispiel: Detox

Es gibt keine exakte Definition von Detox. Im Prinzip versteht man darunter, dass der Körper durch die Umwelt, Ernährung und ähnliches Schadstoffe oder Schlacken anhäuft. In dieser Theorie ist der Körper auch nicht fähig diese von alleine wieder los zu werden, deshalb wurden Detox-Produkte „entwickelt“, die den Körper wieder „reinigen“.

Ob es diese Schadstoffe oder Schlacken gibt ist wissenschaftlich umstritten [1].

Es sollte die Ehrlichkeit oder Einstellung eines Unternehmens hinterfragt werden, wenn z. B. Produkte wie Detox-Pillen verkauft werden, obwohl wissenschaftlich nicht belegt werden kann, dass diese eine signifikante Wirkung haben [1].

Hierbei finde ich es einfach falsch, wenn man unwissenden Personen suggerieren möchte, ihr Körper sei durch die Umwelt vergiftet.

Ebenfalls habe ich bei der Recherche die Antwort eines Geschäftsführers, der auf die Datenlage hingewiesen wurde, gefunden: „Wir wissen, dass unsere Inhaltsstoffe die Wirkung auslösen. Das reicht uns“ [2].

Auch wurde bereits ein Tee, der als Detox-Tee beworben wurde, vom Landesgericht in Düsseldorf als „unzulässige gesundheitsbezogene Angabe“ bezeichnet [3].

Womöglich ist es also nur eine Frage der Zeit, wie lange solche Detox-Aussagen noch legal sind. Das Problem liegt hier unter Anderem auch an der unklaren Definition was Detox eigentlich ist [1].

Solange der Kunde aber ordentlich aufgeklärt wird, ist es meiner Meinung nach kein Problem, solche Produkte zu verkaufen. Wenn sich der Konsument danach besser fühlt, hat es womöglich seinen Zweck erfüllt, ob das Resultat auf dem Produkt basiert, oder es sich dabei nur im Kopf abspielt, sei dahin gestellt.

Fazit

Wenn es um die Gesundheit geht, würde ich lieber den Rat von entsprechendem Fachpersonal suchen, anstatt mir von einem Verkäufer ein Produkt andrehen zu lassen, dass ich vermutlich gar nicht brauche.

Wer sich etwas gutes tun möchte, verbessern, vorbeugen oder einfach dem Alltagsstress entkommen möchte, hier ist das Geld gut investiert:

  • Physiotherapeut, Osteopath – durchchecken auf körperliche Einschränkungen, Beweglichkeit.
  • Ernährungstraining – richtiges Essen anstatt detoxen.
  • Personaltraining, Qualität von Sportwissenschaftlern – Steigerung der Lebensqualität.
  • Massage.

Quellen

[1] http://www.medizin-transparent.at/detox-der-mythos-vom-entgiften

[2] http://www.donau-uni.ac.at/imperia/md/content/department/evidenzbasierte_medizin/pressespiegel/presse_2016/trend_20160527_seite_46_47.pdf

[3] http://www.beckmannundnorda.de/serendipity/index.php?/archives/2275-LG-Duesseldorf-Bewerbung-eines-Kraeutertees-mit-Detox-verstoesst-gegen-Health-Claims-Verordnung-unzulaessige-gesundheitsbezogene-Angabe-bei-Lebensmitteln.html

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